Wenn das Lager zur strategischen Ressource wird

Digitalisierung in der Industrie scheitert selten an der Software. Sie scheitert an Strukturen, am fehlenden Know-how – oder an der Illusion, operative Themen ließen sich nebenbei lösen. Dass es auch anders geht, zeigt ein Projekt aus dem Unternehmensnetzwerk der BAG, der Basalt-Actien-Gesellschaft: Die Einführung von SAP Extended Warehouse Management (EWM) bei der BORNIT®-Werk Aschenborn GmbH, kurz BORNIT®.

Was auf den ersten Blick wie ein klassisches IT-Projekt wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als strategischer Schritt. Denn Lager sind längst nicht mehr bloße Umschlagplätze. Sie sind datengetriebene Knotenpunkte der Wertschöpfung und damit ein entscheidender Hebel für Effizienz, Resilienz und Wachstum.

BORNIT®-Werk Aschenborn GmbH ist ein traditionsreiches Unternehmen mit 155-jähriger Unternehmensgeschichte. Es wird ein Bauchemie-Programm zum Schutz und zur Instandhaltung von Fundament, Fassade und Dach sowie für Verkehrsflächen angeboten. Durch moderne Produktionsanlagen und effiziente Prozesse wird das vorrangige Ziel verfolgt, den nationalen und internationalen Kunden ein verlässlicher Partner zu sein.
Weitere Infos unter bornit.de.

Vom Bestandswissen zur Echtzeittransparenz

Bei BORNIT® waren bereits vor der EWM-Einführung mobile Lösungen von Flexus im SAP-MM- und SAP-PP-Umfeld im Einsatz. Doch mit steigenden Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Prozesssicherheit stieß das bestehende Setup an seine Grenzen.

Das Ziel der EWM-Einführung war klar definiert: Das Hauptziel war es, jederzeit zu wissen, auf welchem Lagerplatz sich welches Produkt in welcher Menge befindet. Dazu sollten Lageraufgaben systemseitig erzeugt und gesteuert sowie sämtliche Prozessschritte lückenlos dokumentiert werden.

Kurz: Weg von implizitem Erfahrungswissen der Mitarbeiter, hin zu systemgeführter Klarheit. Neue Mitarbeiter können so in Zukunft schneller eingearbeitet werden, Fehlerquoten werden reduziert und das Wissen der Lagermitarbeiter wurde vermehrt ins System übertragen. Ein Schritt, der nicht nur operative Vorteile verspricht, sondern auch Management-Entscheidungen auf eine belastbare Datenbasis stellt. Zudem konnte durch die EWM-Einführung von den ITS MM-Lösungen auf die moderne und intuitivere Fiori EWM Oberfläche gewechselt werden.

Wissenstransfer statt Abhängigkeit

Bemerkenswert an diesem Projekt ist der organisatorische Ansatz. Das Basalt-IT-Team und BORNIT® wollten SAP EWM bewusst eigenständig implementieren, trotz fehlender Vorerfahrung mit dem System. Eine mutige Entscheidung, die jedoch strategisch sinnvoll war, denn das Ziel war es nicht, externe Expertise dauerhaft einzukaufen, sondern internes Know-how aufzubauen.

Hierfür wurden zunächst alle aktuellen Prozesse und Anforderungen in Workshops aufgenommen und das Konzept zur EWM-Einführung verfasst, welches in der späteren Umsetzung kaum angepasst werden musste. In der Umsetzung wurde gemeinsam mit dem Basalt-IT-Team Schritt für Schritt das nötige Customizing durchlaufen. Die Ausführung und der Transport der Einstellungen lagen in den Händen der Basalt-IT, stetig begleitet durch Flexus. Die Gesamtverantwortung für die Einführung lag bei der Flexus AG, während sich das IT-Team der Basalt ganz auf den Wissensaufbau konzentrieren konnte.

Einfache Prozesse, maßgeschneiderte Apps

Entlang der gesamten Einführung hat BORNIT® darauf geachtet, dass die Prozesse möglichst einfach und nicht unnötig kompliziert gehalten werden. Nur, weil EWM umfassende Funktionen anbietet, sollten diese nicht aus Prinzip verwendet werden. Wichtig war es bei einer so mächtigen Software, die tatsächlich benötigten Prozesse des Kunden im Blick zu behalten und optimal umzusetzen. So konnten bei der BORNIT® die Abläufe maßgeschneidert umgesetzt werden und das Personal hat das System ohne größere Probleme akzeptiert und konnte die Umstellung sehr gut abdecken.

Neben der optimalen Umsetzung mit SAP EWM wurden auch die Flexus-Apps genau auf die spezifischen Kundenprozesse abgestimmt: Es wurde analysiert, welche Apps an welcher Stelle benötigt werden und wie sie durch einfaches Customizing und Zusatzinformationen die Mitarbeitenden noch besser durch den Prozess führen. Insgesamt wurden damit einfache und maßgeschneiderte Prozesse für die BORNIT® und BAG entworfen und umgesetzt.

Migration unter Zeitdruck

Der kritischste Moment kam im Dezember 2025. Nach erfolgreichen Abnahmetests wurde zunächst noch die Inventur im MM-System durchgeführt. Direkt im Anschluss folgte die Migration bzw. genauer gesagt die Umbuchung nach EWM.

Die Herausforderung: Im bisherigen System existierten keine Handling Units, keine Lagerplätze, HU-Typen und Packmittel. Innerhalb von nur knapp zweieinhalb Tagen wurden alle HUs inklusive Inhalt erfolgreich neu angelegt und durch das BORNIT®-Team ins EWM überführt. Möglich wurde das durch eine speziell entwickelte Flexus-App, die die Migration nicht nur beschleunigte, sondern auch bereinigte.

Das Ergebnis: saubere Bestände, vollständige Transparenz – und ein System, das unmittelbar produktiv einsetzbar war. Rechtzeitig vor den Feiertagen.

Go-live ohne Reibungsverluste

Der Go-live am 5. Januar verlief unspektakulär – im besten Sinne. Wenig Change Requests, keine Budgetüberschreitungen, keine Stillstände. Bereits ab dem ersten Tag wurde produktiv gearbeitet, kleinere Themen konnten direkt vor Ort adressiert werden. Die Berater waren in den ersten Tagen im Lager mit dabei und haben gewisse Prozesse gemeinsam mit den Lagermitarbeitern ausgeführt, so konnte garantiert werden, dass die Schritte korrekt ausgeführt werden und offene Fragen direkt beantwortet werden. Dies sorgte für eine hohe Akzeptanz der Lösung und eine starke Eigenmotivation der Mitarbeiter, die neuen Apps zu verstehen sowie korrekt und effizient zu bedienen.

In den ersten Wochen nach dem Start flossen so Optimierungen aus dem Echtbetrieb ein: zusätzliche Informationsanzeigen, angepasste Anzeigeeinstellungen. Größere Weiterentwicklungen sind für Phase 2 vorgesehen, darunter die Feinjustierung der Auslagerstrategie und Verbesserungen im Verladeprozess.

Nach zwei Wochen intensiver Vor-Ort-Betreuung wechselte der Support in den Remote-Modus. Im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe“ stellt Flexus seither dokumentierte Lösungen für wiederkehrende Fragestellungen bereit – ein Ansatz, der die Eigenständigkeit weiter stärkt.

Mehr als ein IT-Projekt

Die Einführung von SAP EWM bei BORNIT® zeigt exemplarisch, worauf es bei erfolgreichen Transformationsprojekten ankommt: klare Ziele, realistische Zeitpläne, Investitionen in Wissen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

In Phase 2 folgen weitere Prozessoptimierungen sowie ein Inventur-Testlauf im Frühjahr, um den Jahresabschluss abzusichern. Gleichzeitig werden weitere Unternehmen aus dem BAG-Netzwerk auf eigene EWM-Einführungen geprüft.

Das Fazit fällt nüchtern – und gerade deshalb überzeugend – aus: mehr Transparenz, systemgeführte Abläufe und eine stabile Grundlage für weiteres Wachstum. Nicht als Selbstzweck, sondern als strategische Antwort auf steigende Komplexität.

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Tobias Heubeck

SAP EWM SmartLaunch
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