EWM-Turbo: Mit cleverer Priorisierung Lageraufgaben in Rekordzeit erledigen

Flexus Redaktion

9. März 2026

In vielen Lagern ist nicht die Menge an Arbeit das Problem, sondern die Reihenfolge der Abarbeitung. Wenn dringende Auslieferungen, Nachschub, Produktionsversorgung und interne Umlagerungen gleichzeitig „auf dem Hof stehen“, entscheidet eine saubere Priorisierung darüber, ob das Lager ruhig und planbar läuft oder permanent im Ausnahmezustand ist. SAP EWM bietet dafür mehrere Stellschrauben: von einfachen Prioritätsfeldern bis hin zu automatisierten Regeln und wellenbasierter Steuerung.

Im Folgenden zeigen wir praxisnahe Wege, wie Priorisierung in SAP EWM aussehen kann – und wie Sie sie so automatisieren, dass die Abarbeitung im Lager quasi „von selbst“ in der richtigen Reihenfolge passiert.

Priorisierung in SAP EWM: Welche Möglichkeiten gibt es?

Je nach Prozess (Kommissionierung, Einlagerung, Nachschub, Umlagerung, Produktionsversorgung etc.) können Lageraufgaben und Lageraufträge auf unterschiedlichen Ebenen priorisiert werden. Diese möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

1. Priorisierung über Belege und Prozesskontext

Ein typischer Ansatz: Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem auslösenden Beleg. Eine Express-Auslieferung wird beispielsweise höher priorisiert als eine Standard-Auslieferung. Eine Anlieferung von Produkten mit strengen Lagerungskriterien (z. B. temperaturkritische Ware) sollte nicht ewig auf dem Hof stehen und eher eingelagert werden als solche, die keine besonderen Kriterien erfüllen muss. Die Bereitstellung eines Materials für die Produktion, ohne welches ein Linien-Stillstand droht, sollte höher priorisiert werden als die Produktionsentsorgung. Es gibt zahlreiche Aspekte, die hier je nach Lager beachtet werden müssen.

Im System kann in Bezug darauf z. B. für Auslagerungen eine Lieferpriorität festgelegt werden. Diese wird meist schon im ERP/S4-System am Kopf der Lieferung eingestellt. Definiert werden kann die Lieferpriorität im SPRO-Customizing. Diese wird dann später bei der Lagerauftragserstellung beachtet.

2. Priorisierung über Lagerprozessarten und Lagerauftragserstellungsregeln

Manche Prozesse lassen sich jedoch nicht über den Beleg steuern. SAP EWM trennt Prozesse oft über Lagerprozessarten. Diesen können unter Lagerprozessarten definieren im SPRO-Customizing Standardprioritäten zugewiesen werden. Diese Priorität wird dann Lageraufgaben zugewiesen, welche mit der entsprechenden Prozessart angelegt werden.

Lagerauftragserstellungsregeln sind das Machtwerkzeug der EWM-Lagerbewegungen. Mit diesen Regeln wird bestimmt, wie Lageraufgaben zu einem Lagerauftrag gebündelt werden. Über Sortierregeln wird bestimmt, in welcher Reihenfolge Lageraufgaben in die Auftragserstellung einfließen. Weiterhin können Grenzwerte festgelegt werden (z. B. Maximalgewicht oder maximale Anzahl Lageraufgaben je Lagerauftrag). Mit Filtern kann dann gesteuert werden, in welcher Reihenfolge diese Regeln im Aktivitätsbereich angewendet werden sollen.

Dadurch lässt sich z. B. folgender Prozess abbilden: Es sollen zunächst alle Kommissionierungen von vollen Paletten in einem Lagerauftrag zusammengefasst werden. Dabei soll ein Lagerauftrag aber maximal aus fünf Lageraufgaben bestehen. Für Teilentnahmen wird mithilfe einer neuen Regel sofort ein neuer Lagerauftrag erstellt, welcher dann mit einem hinterlegten Lagerungsprozess über einen Packplatz geleitet wird. Natürlich ist dies nur ein Beispiel für die Optionen der Lagerauftragserstellungsregeln.

3. Priorisierung nach Zeitlogik

Eine sehr wirksame Methode ist die Zeitpriorisierung. Ein hilfreiches Feld ist hierbei der Späteste Starttermin (SST) im Lagerauftrag, welcher manuell oder über Regeln vergeben werden kann und eine Sortierung nach Dringlichkeit möglich macht. Setzt man den SST weit in die Vergangenheit, können überfällige oder dringende Lageraufträge in der Sortierung ganz einfach nach vorne geschoben werden. Der SST kann natürlich auch automatisch gesetzt werden, z. B. in Bezug auf den Liefertermin bei Kommissionierungen.

4. Priorisierung nach Wegoptimierung und Ressource

Nicht jede Priorisierung wird aufgrund der „Dringlichkeit“ getroffen. Manchmal geht es auch um die Steigerung der Effizienz. In wohl allen EWM-Einführungsprojekten geht es deshalb mehr als einmal darum, wie Wege optimiert und Leerfahrten reduziert werden können.

Lassen Sie uns Ihnen ein Beispiel aus unseren Projekten geben:

Ein Schmalgangstapler kommissioniert aus dem Hochregallager und lagert in dieses ein. Die Gänge sind dabei so schmal, dass der Stapler erst aus dem Gang herausfahren muss, um seine Gabel drehen zu können. Der Prozess des Gabeldrehens dauert zudem etwas. Deshalb ist es sinnvoll, eine Lagerplatzsortierung für die Aktivitäten zur Aus- und Einlagerung so einzustellen, dass zunächst alle Aufgaben auf der einen Regalseite erledigt werden, bevor die andere Regalseite abgearbeitet wird (Transaktion SPRO unter Sortierreihenfolge für Aktivitätsbereiche definieren). Auch ein Doppelspiel, welches zwischen Ein- und Auslagerung abwechselt, kann hier sinnvoll sein. Lesen Sie mehr darüber in unserem Beitrag.

Auch mithilfe von Queues lässt sich eine Priorisierung gut abbilden. Eine Queue ist ein Arbeitsvorrat, in den alle Lageraufträge mit bestimmten Kriterien laufen. Es kann beispielsweise helfen, eine PRIO-Queue zu erstellen (Transaktion: /SCWM/V_T346), der wichtige Lageraufträge von der Lagerleitung manuell zugewiesen werden können oder die über bestimmte Regeln automatisch mit Lageraufträgen befüllt werden. Diese PRIO-Queue kann dann in der Queuereihenfolge für die Ressourcengruppe (Transaktion: /SCWM/QSEQ) an erster Stelle zugewiesen werden. So würde einer Ressource dieser Ressourcengruppe bei der Bearbeitung mit einem mobilen Endgerät immer zunächst die Aufgaben aus der PRIO-Queue angezeigt werden.

Zudem lassen sich je Ressourcentyp auch Prioritäten nach HU-Typ-Gruppen und Platzzugriffstypen über die Transaktion /SCWM/EXECPR festlegen. Auch darüber kann gesteuert werden, welchen Lagerauftrag eine Ressource als Nächstes bekommt.

5. Priorisierung über Wellen- und Freigabesteuerung

Gerade im Versand ist die wichtigste Priorisierung oft nicht die einzelne Lageraufgabe, sondern wann welche Arbeit überhaupt ins Lager „hineinläuft“. Wellen ermöglichen genau das:

Aufträge werden nach bestimmten Kriterien wie z. B. Route, Cut-off, Kunde oder Material zu Wellen zusammengefasst. Diese Wellen werden dann geplant freigegeben (z. B. 10:00 / 13:00 / 16:00 Uhr). Dringende Aufträge können als Sonderwelle oder „Rush“ laufen. Über die Transaktion /SCWM/WAVETMP können Templates für Wellen erstellt werden.

Fazit: Priorisierung im EWM maßgeblich für Erfolg

Die richtige Priorisierung von Lageraufgaben in SAP EWM sorgt für Termintreue, weniger operative Hektik und messbar höhere Produktivität. Anstatt dass Mitarbeitende entscheiden müssen, was „am dringendsten“ ist, übernimmt das System diese Sortierung – basierend auf klar definierten Regeln.

Mit Stellschrauben wie Lagerauftragserstellungsregeln (saubere Bündelung), Wellen (geplante Freigabe) und einer regelbasierten Prioritätslogik entsteht ein Lager, das nicht nur schneller arbeitet, sondern auch planbarer – und damit langfristig kosteneffizienter – ist. Priorisierung ist also maßgeblich für Ihren Unternehmenserfolg. Viele der hier aufgezeigten Möglichkeiten können mit guter Planung so kombiniert werden, dass Sie die bestmögliche Optimierung für Ihren Lageralltag erreichen. Mit einer derartigen Palette an Optionen kommt aber natürlich auch eine hohe Komplexität auf Sie zu. Gerne unterstützen wir Sie dabei, eine Priorisierung zu erreichen, die perfekt auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.