Es ist unerlässlich, MFS-Lösung vor dem Go-Live gründlich zu testen, um einen reibungslosen Übergang in den produktiven Betrieb und eine zuverlässige Performance zu gewährleisten. Dabei unterscheiden wir grundsätzlich zwischen den Tests während der Entwicklungsphase und den anschließenden Systemintegrationstests. Während der Entwicklungsphase setzen wir die Flexus Telegramm Simulation ein. Sie ermöglicht uns, einzelne Komponenten der MFS-Lösung isoliert zu testen. Sämtliche Testfälle werden dabei einmalig in Form von Telegrammen konfiguriert. Die in der Telegramm Simulation hinterlegten Telegramme entsprechen exakt den Daten, die wir im Realbetrieb in bestimmten Situationen von der Speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) erhalten würden. Dabei kann es sich beispielsweise um die Ankunftsmeldung einer Handling Unit an einem definierten Punkt auf der Fördertechnik handeln oder um Statusmeldungen handeln, die bestimmte Reaktionen im SAP EWM auslösen sollen.
Die Tests mit der Telegramm Simulation erlauben jedoch keine Rückschlüsse auf das tatsächliche Verhalten der SPS in komplexeren Situationen wie Timeout-Szenarien, Mehrfachbewegungen bzw. Parallelfahrten, Stausituationen oder Sonderfälle (z. B. keine Route verfügbar, Ziel belegt, etc.). Insbesondere Massentests, bei denen eine große Anzahl an Handling Units gleichzeitig auf der Automatikanlage bewegt wird, sind entscheidend, um beim Go-Live keine Überraschungen zu erleben. Aus diesem Grund setzen wir bei den Integrationstests auf eine Emulation. Diese kann man sich als einen „digitalen Zwilling“ des realen Automatiksystems vorstellen. Sie bildet physische Transporte, Sensorzustände, Fahrzeiten, Störungen sowie den kompletten SPS-Telegrammfluss via TCP/IP realitätsnah ab.

Für die Realisierung von Emulationen für Kundenprojekte greifen wir auf die Software Emulate3D von Rockwell Automation zurück. Mit ihr lassen sich unterschiedlichste Automatiksysteme – von der Fördertechnik über Regalbediengeräte bis hin zu fahrerlosen Transportsystemen – digital nachbilden. Abhängig von den Anforderungen und der Planung der realen Anlage nehmen wir zusätzliche Implementierungen vor, um das Verhalten möglichst exakt zu emulieren.

Damit in der Emulation alle relevanten Szenarien abgebildet werden können, muss es möglich sein, Handling Units gezielt auf der Fördertechnik aufzusetzen, Fehlerszenarien auszulösen und Statuszustände zu setzen. Es ist oft erforderlich, dass mehrere Personen simultan Tests in der Emulation durchführen. Da es sich um eine virtuelle Umgebung handelt und wir uns nicht physisch im Lager bewegen können, kommt hier der Flexus Emulation Director zum Einsatz.
Diese App ermöglicht es, direkt aus SAP EWM heraus Anweisungen an die Emulation zu senden. Beispiele hierfür sind das Aufsetzen von mehreren Handling Units an einem Aufsetzpunkt eines automatischen Hochregallagers oder das gezielte Auslösen des Fehlerszenarios „Platz belegt“ bei Einlagerung einer HU durch ein Regalbediengerät. Der Emulation Director ist vielseitig konfigurierbar und erweiterbar, sodass alle relevanten Anwendungsfälle innerhalb der Emulation abgebildet werden können.
Welche Vorteile bietet die Emulation für das Testen von MFS-Implementierungen?
Die Emulation bietet in folgenden Bereichen spürbare Benefits:
- Massentests
Diese liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich Anlagenkomponenten wie Fördertechnik, Regalbediengeräte oder Querverschiebewagen im Zusammenspiel und unter hoher Auslastung verhalten. Ziel ist es, die MFS-Lösung bewusst an ihre Grenzen zu bringen, um sicherzustellen, dass alle Implementierungen und Komponenten auch unter Volllast stabil zusammenarbeiten. - Überprüfung der Anlagenleistung
Die ermittelten Leistungsdaten können direkt mit den geplanten Anforderungen verglichen werden. In SAP EWM liegt der Fokus dabei insbesondere auf der Ein- und Auslagerstrategie des Automatiklagers. - Identifikation von Problemstellen
Problemstellen und Engpässe im Materialfluss lassen sich frühzeitig erkennen. Dadurch können Optimierungen bereits vor dem Go-Live umgesetzt werden. - What-if-Szenarien
Unterschiedliche Szenarien und Störfälle lassen sich einfach testen.
Auf dieser Basis können frühzeitig Notfall- und Ausweichstrategien entwickelt werden.
Darüber hinaus trägt der Einsatz der Emulation dazu bei, Entwicklungs- und Testzeiten deutlich zu reduzieren. Tests können schnell durchgeführt, beliebig oft wiederholt und zuverlässig reproduziert werden.
Fazit
Eine strukturierte Teststrategie ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Implementierung von MFS-Lösungen in SAP EWM. Während die Telegramm Simulation eine effiziente Möglichkeit bietet, einzelne Komponenten bereits in der Entwicklungsphase zu validieren, entfaltet die Emulation ihre Stärke vor allem bei der ganzheitlichen Betrachtung komplexer Materialflüsse.
Durch den Einsatz eines digitalen Zwillings können reale Betriebszustände, Lastszenarien und Störfälle frühzeitig und realitätsnah getestet werden. Dies erhöht nicht nur die Stabilität und Leistungsfähigkeit der MFS-Implementierung, sondern reduziert auch Risiken beim Go-Live erheblich. Gleichzeitig profitieren Projekte von kürzeren Testzyklen, besserer Planbarkeit und einer insgesamt höheren Qualität der Lösung.
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